A+W Capacity Planner

Die neue Flexibilität

Natürlich kann man die Kapazitätsplanung auch heute noch mit einem System aus Tisch- und Wandkalendern erledigen. Die Grenzen zeigen sich spätestens dann, wenn Aufträge nicht rechtzeitig oder nicht vollständig ausgeliefert werden können. Wer auf automatisierte Kapazitätsplanung verzichtet, verzichtet auch auf ein wichtiges Standbein seiner Kostenrechnung, sagt Dr. Michael Küttner (A+W Software GmbH).

Ab einer gewissen Fertigungstiefe geht es sowieso nicht mehr ohne, und je komplexer die Prozesse sind, desto intelligenter und flexibler muss die Kapazitätsplanung sein. Anspruchsvolle Verarbeiter legen die Messlatte für Ihre Softwarepartner immer höher. Das ist gut so, denn es wirkt als Innovationstreiber.

Die Kapazitätsplanung hat die Aufgabe, die Produktionsrealität in einem bestimmten Zeitraum zu modellieren. Sie ist Bestandteil der Grobplanung: Welche Scheiben in welcher Reihenfolge und Ausrichtung auf welchen Fächerwagen abgestellt werden sollen, interessiert sie nicht. Die wichtigsten Aufgaben sind:

  • ‚Sichere‘ Liefertermine verbindlich ermitteln
  • Die Produktion optimal auslasten
  • Zeitkosten (Maschinen, Personal) ermitteln und rückmelden
  • Den Umlaufbestand verringern
  • Flexibilität für Unerwartetes vorsehen

A+W Capacity auf Großbildschirm: Kampagnenplanung bei Interpane Plattling.

Ältere Systeme geben in der Regel für einen Arbeitsgang einen bestimmten Termin, eine bestimmte Schicht, feste Übergangszeiten zum nächsten Arbeitsgang vor, auch wenn andere Termine, Übergangszeiten oder Schichten ebenfalls in Frage kämen. Ist der Planungsverantwortliche mit der Vorgabe nicht zufrieden oder kommt etwas Unerwartetes dazwischen (Maschinenausfall, Eilauftrag), so muss er den angebotenen Termin manuell übersteuern und nicht selten eine ganze Terminkette verändern – das braucht Zeit und Erfahrung. In neueren flexibleren Systemen kann er das natürlich auch, muss es aber nicht so oft tun.

Moderne Systeme wie der A+W Capacity Planner arbeiten in anderen Dimensionen. Sie beantworten in mehrstufigen Produktionen zuverlässig Fragen wie „Auftrag XYZ muss am 10.03.2016 ausgeliefert werden. Wann muss ich (am kostengünstigsten!) das Isolierglas fertigen, wenn ich die VSG Scheiben zukaufe und die selbst gehärteten ESG-Scheiben im eigenen Haus beschichtet werden, und zwar an jedem dritten Montag im Monat?“

Wir sehen, der A+W Capacity Planner arbeitet mit Rückwärtsterminierung ausgehend vom Liefertermin. Das erklärt auch die Richtung der Visualisierungspfeile in Abb. 1 + 2 von ‚Fuhrpark‘ zu ‚Zuschnitt‘, was auf den ersten Blick befremdlich erscheinen mag. Die Vorgabe „am kostengünstigsten“ zeigt bereits, dass das System vermutlich mehrere Termine anzubieten hat, und in der Tat arbeitet der A+W Capacity Planner mit sogenannten ‚Terminscharen‘, aus denen es den jeweils geeignetsten Produktionstermin nach Abwägung verschiedener Kriterien auswählt. Der geeignetste Termin ist fast immer der kostengünstigste, und der kostengünstigste wird in der Regel der sein, der – Verfügbarkeit der preisgünstigsten Fertigungstechnologie vorausgesetzt – dem Liefertermin am nächsten liegt. Klar: Fertigprodukte, die endlos im Versand oder an riskanteren Orten herumstehen, kosten Platz und Geld, das Beschädigungsrisiko ist hoch.

Herausforderung Kampagnenplanung

Nun wurde der A+W Capacity Planner so ausgelegt, dass er auch für Produkte mit ungewöhnlich tiefen Stücklisten meist gleich mehrere sichere Pfade von der Starttechnologie bis zum Versand findet – das ist ein Quantensprung im Vergleich zu älteren Systemen. Die Flexibilität des Systems bei Einlastungsterminen und Übergangszeiten ist enorm.

Anwender des A+W Capacity Planner beschichten u.a. Festmaße und arbeiten in diesem Bereich mit einer Kampagnenplanung. Kampagnen sind feste wiederkehrende Termine für bestimmte Arbeitsgänge, die weitgehend unantastbar sind. Sie erhöhen die Anforderungen an eine Kapazitätsplanung beträchtlich – besonders, wenn man sich klar macht, dass in einer tiefen Stückliste schon mal zwei Kampagnen enthalten sein können. Auch das bewältigt A+W Capacity Planner mühelos. Ein gutes Kapazitätsplanungssystem sollte das unbedingt beherrschen, denn nicht nur in der Beschichtung wird mit Kampagnen gearbeitet: in verschiedensten Fertigungsketten macht es Sinn, bestimmte Arbeitsgänge (z.B. Siebdruck) auf fixe Termine zu legen.

Wenn es ausdrücklich verlangt wird (->Chefaufträge!) kann A+W Capacity Planner natürlich auch eine Kampagne übersteuern, aber das wird man möglichst vermeiden.

Eine weitere wichtige Funktion des A+W Capacity Planner ist die Reservierung von Kapazitäten. Für spezielle Kunden können Produktionskapazitäten vorbelegt werden, die dann anderen Kunden nicht mehr zur Verfügung stehen.

Wie gut das System den Produktionsfluss letztlich durch die Fertigung steuert, kann durch Vorgaben beeinflusst werden. Darf beispielsweise der Liefertermin verschoben werden? Darf das System ohne Rückfrage die ‚zweitbeste‘ Technologie verwenden?

Mit geringeren Restriktionen wird natürlich alles gleich viel einfacher; bei den Lieferterminen hat allerdings in der Regel das vorgelagerte ERP-System die Führung. Es sollte dann jedoch auch sichere Termine vorgeben, um auch unvorhergesehene Situationen abfangen zu können. Höchste Terminsicherheit kann bei komplexen Aufträgen durch Nutzung der Delivery Check Funktion des A+W Capacity Planner erreicht werden.

WIP – Das Problem der Umlaufbestände

Bestände sind Verschwendung – und sichtbare Zeichen für Probleme bei der Prozessgestaltung. Für Lager- und Fertigwarenbestände haben die weitaus meisten Unternehmen diesen Zusammenhang längst erkannt und in vielen Fällen erfolgreich gegengesteuert: Entsprechende Werkzeuge sind in jedem ganzheitlichen ERP-System enthalten. Nun aber rückt unter dem Kürzel ‚WIP‘ (Work In Process) zunehmend der Umlaufbestand ins Zentrum der Betrachtung, also die Menge an Materialbeständen, die in der laufenden Produktion gebunden sind. Damit ist zunächst in Bearbeitung befindliches Material ebenso gemeint wie Bestände in Puffern und Warteschlangen.

Im Fokus der traditionellen Betrachtung, auch bei der Kostenrechnung, steht die Bearbeitung. Für die Liege- und Wartezeiten zwischen den Bearbeitungsschritten bietet sie keine Hilfestellung. Doch gerade dort finden wir ja den größten Anteil der Umlaufbestände: Hier findet erhebliche Verschwendung statt. Das größte Problem dabei ist neben der damit verbundenen Kapitalbindung die beträchtliche Verlängerung der Durchlaufzeiten. Können wir die Durchlaufzeiten durch Senkung der Umlaufbestände verkürzen? Können wir unsere Kosten besser kalkulieren, wenn wir die unentdeckten Umlaufbestände in modernen Kapazitätsplanungssystemen berücksichtigen? A+W diskutiert dieses Problem zurzeit mit mehreren Kunden und arbeitet konkret an Lösungen, die in künftige Kapazitätsplanungssysteme integriert werden sollen – wir werden weiter darüber berichten.

Produktionsdurchlauf einer Isolierglaseinheit mit einer beschichteten und einer unbeschichteten Floatglasscheibe. Die Pfeile zeigen Fertigungstermine und –schichten sowie Übergangsszeiten an. Es gibt keine Konflikte.

Terminkonflikt an der Beschichtungsanlage. A+W Capacity Planner verlegt die Produktionstermine unter Beibehaltung der Übergangszeiten. Es entsteht ein Zeitpuffer am Produktionsende.