AUFBRUCH ZUR DIGITALEN TRANSFORMATION
Veröffentlicht am 06. September 2021

Mehr als neun Millionen Quadratmeter Sicherheits- und Performance-Isoliergläser verlassen pro Jahr die 19 Standorte von Semcoglas. Damit gehört die Unternehmensgruppe mit Stammsitz in Westerstede zu den führenden Flachglasveredlern Deutschlands. Durch die Beteiligung am Euroglas-Floatwerk in Magdeburg/Osterweddingen ist die stetige Versorgung mit hochwertigem Floatglas sichergestellt. 2020 konnte trotz pandemiebedingter Einschränkungen ein Umsatz von 260 Mio. Euro erwirtschaftet werden. Für 2021 plant Semcoglas eine Umsatzsteigerung von über vier Prozent und ein Wachstum von sieben Prozent in der Isolierglasfertigung. Neben Deutschland ist der Benelux-Raum ein wichtiger Zielmarkt.

 

Doch hervorragende Ergebnisse entstehen nicht durch Größe allein. Technologieführerschaft, absolute Kundenorientierung und die Fähigkeit, jederzeit auf neue Trends und Veränderungen am Markt reagieren zu können, sind die wichtigsten Treiber wirtschaftlichen Erfolges. Eine der größten aktuellen Herausforderungen für Semcoglas ist die durchgängige Digitalisierung sämtlicher Standorte und Unternehmensbereiche. Nur so
können Performance und Effizienz so gesteigert werden, dass Semcoglas seine Kunden auch in Zukunft mit bester Liefertreue und höchster Produktqualität bei fairen Preisen bedienen kann.

Auf dem Weg zu Industrie 4.0

Digitalisierungspartner von Semcoglas ist das Softwarehaus A+W, mit dem die Semco-Gruppe bereits seit Jahrzehnten zusammenarbeitet. Bis 2023 werden alle 19 Semco-Standorte mit den Branchenlösungen A+W Business und A+W Production inklusive spannender Neuentwicklungen ausgestattet sein. Bei Produktkonfiguration und Auftragsabwicklung setzt Semco sowohl auf die online-Bestellung über den Webshop A+W iQuote, der beim Kunden und bei Semco die kaufmännischen Prozesse beschleunigt und aufwändige Erfassungsprozesse überflüssig macht, als auch das bewährte digitale Verarbeiten von Bestelldaten über das EDI-Interface. Durch derart intelligente Lösungen erreicht Semcoglas einen deutlich höheren Automationsgrad, noch mehr Prozess-Stabilität im kaufmännischen wie im produktionstechnischen Bereich und gesteigerte Effizienz durch die intelligente Vernetzung der gesamten Unternehmensgruppe.

A+W Production Terminal an einer Isolierglas-Linie im Werk Westerstede: Alle wichtigen Scheibeninformationen werden online angezeigt und der aktuelle Verarbeitungsschritt online in der Datenbank verbucht – die Produktion erfolgt nahezu papierlos.
Zukunft hat begonnen

Im Frühjahr 2019 trafen sich die Projektteams von Semcoglas und A+W zu ersten Workshops, um das Projekt unter dem Namen Momentum auf den Weg zu bringen. Inzwischen ist die neue Software in mehreren Werken der Gruppe erfolgreich ausgebracht und es wird mit Volldampf an der weiteren Umsetzung gearbeitet. In einigen Werken wurde bereits mit Vorgänger-Versionen der aktuellen A+W-Software gearbeitet, in anderen musste ältere Fremdsoftware durch die neuen Systeme ersetzt werden. „Doch an keinem Standort“, erklärt Semcoglas-Projektleiter Thomas Graf, „gab es nach der Umstellung schwerwiegende Probleme mit der Produktion.“

Die Software steht zwar im Mittelpunkt, doch da gibt es ja noch mehr. Software und Anlagentechnik müssen zu hochfunktionalen Fertigungsumgebungen vernetzt, Daten müssen schnell und zuverlässig über intelligente Schnittstellen an die Maschinen übertragen werden. Unternehmensprozesse werden tiefgreifend verändert, Abläufe gruppenweit vereinheitlicht und effizienter gestaltet. Papiere und Produktionsmappen werden durch Scanner und Info-Terminals ersetzt. Prozesse wie interne Bestellungen, Verteilung von Aufträgen zwischen den Werken und Logistikplanung werden so erneuert, dass die Kapazitäten innerhalb der gesamten Semco-Gruppe bestmöglich ausgenutzt werden. So profitieren die Kunden durch Momentum noch mehr von der Gruppenstärke des Semco-Kompetenz-Netzwerks.

Papiere und Produktionsmappen werden durch Scanner und Info-Terminals ersetzt. Prozesse wie interne Bestellungen, Verteilung von Aufträgen zwischen den Werken und Logistikplanung werden so erneuert, dass die Kapazitäten innerhalb der gesamten Semco-Gruppe bestmöglich ausgenutzt werden. So profitieren
die Kunden durch Momentum noch mehr von der Gruppenstärke des Semco-Kompetenz-Netzwerk.

VSG-Produktion in Nordhorn: Die Standortlogistik der SemcoglasGruppe ermöglicht die Belieferung der Isolierglaswerke mit Sicherheitsgläsern ohne lange Anfahrtswege.

Die Semcoglas-Gemeinschaft: Wann sind wir endlich dran?
Besonders erfreulich ist, dass die SemcoglasMitarbeiter in den Digitalisierungsprozess einbezogen sind, die Vorteile erkennen und das Projekt aktiv mit vorantreiben. Man sieht die Vorteile in den bereits umgestellten Werken, Angst vor neuen Strukturen und Arbeitsweisen gibt es nicht. Bei der Projektumsetzung wurde in verschiedenen Werken Prozess-Know-how bei Referenz-Mitarbeitern geschaffen, welches zielgerichtet anderen Werken zugänglich gemacht wird, d.h. die Mitarbeiter werden flexibel an unterschiedlichen Standorten eingesetzt. Damit erreicht Semcoglas erhebliche Synergien innerhalb der Gruppe und spart Zeit und Geld.

„Inzwischen sind“, so Geschäftsführer Michel Schüller, „die Projektteams von Semco und A+W zu einer Mannschaft zusammengewachsen, die zielführend und effizient zusammenarbeitet.“„Wir fühlen uns“, so Schüller weiter, „durch das vertrauensvolle Verhältnis und das hohe Leistungsniveau bei A+W gut aufgehoben, auch wenn es am Anfang ein wenig geknirscht hat. Aber das ist wohl in jedem Projekt dieser Größenordnung so.“

Ganzheitlich Digital

Die Semcoglas-Geschäftsleitung unterscheidet bewusst

zwischen den Zielen Prozessdigitalisierung und der digitalen Transformation der Unternehmensgruppe, die das gesamte Semcoglas-Ökosystem umfasst und erheblich dazu beiträgt, die Bedürfnisse der Kunden auf sich schnell wandelnden Märkten noch früher zu erkennen und zu erfüllen.

Auftragserfassung mit A+W Business. Bestellungen, die hier über den Webshop
A+W iQuote eingehen, werden über das ERP-System direkt in die Produktion
weitergeleitet.

 

Die größte Herausforderung dabei, so Michel Schüller, ist der Mensch selbst. „Die Denkweise im gesamten Unternehmen“, so Schüller, „wird durchgängig digitaler, die Beziehung zu Kunden und Lieferanten transparenter. Dieser ganzheitliche Ansatz stärkt unsere Geschäftspartner und sichert den langfristigen Erfolg von Semcoglas am Markt.“

Das bedeutet auch, dass IT-Technik im Unternehmen auf Führungsebene angesiedelt wird und die gesamte Ausrichtung des Unternehmens mitprägt. Das Ziel ist eine noch höhere digitale Servicekultur, mit der Semcoglas sich von seinen Mitbewerbern absetzen und erfolgreich weiterwachsen kann.

Das Momentum-Kernteam – von links: Thomas Graf, Projektleiter Semco;  Norbert Gardemann, Projektleiter A+W; Heiko Schuh, A+W Clarity Director Sales Central Europe; Marcus Lampen, Leiter IT Semco.

 Digitale Versandorgasnisation

Wenn im Versand des Werkes Westerstede ein Mitarbeiter eine Lieferung zusammenstellt, so benötigt er dazu keinerlei Listen und andere Papiere mehr. – Papier ist, abgesehen vom Barcode-Etikett, bei Semco in Produktion und Versand eine aussterbende Spezies. Jedes versandbereite Packmittel wird beim Eingang in das intelligente Hochregallager durch eine einfache Barcodelesung auf einen eindeutigen Stellplatz gebucht. Dies geschieht mit der App A+W Smart Companion, die statt traditioneller Industriescanner Smart Devices wie z.B. handliche ZebraScanner nutzt und damit jedes Gestell in die Produktionsdatenbank scannt. Die Versandinformationen werden den Werkern über das A+W Production Terminal übersichtlich bereitgestellt, sogar im Gabelstapler: Der Mitarbeiter sieht auf einen Blick, welches Gestell wann auf welchen LKW geladen werden muss. Das Suchen nach Scheiben und Gestellen sowie jede nicht wertschöpfende Arbeit im Versand sind bei Semco in Westerstede Vergangenheit. Die Prozesse im Versand sind noch effizienter und schneller geworden, die Liefertreue ist auf höchstem Niveau.

Und wenn mal etwas kaputt geht? Bruch- und Schlechtscheiben werden mit dem A+W Smart Companion in den Bruchpool gescannt und mit höchster Priorität nachproduziert. Meist ist es dadurch möglich, die betroffene Einheit noch mit derselben Lieferung oder zumindest mit der folgenden auszuliefern.